
Das dritte Album ist für jede Band das schwerste und zugleich wegweisende. Andrew Bogut hat jetzt seine dritte Saison vor sich. Die Bucks rechnen mit ihm, auch die Fans in Milwaukee, Bogut ist beliebt, Bogut macht keinen bogus, und Bogut wird sich 2007/08 steigern: ich tippe auf 16/10, aber diese beiden Zahlen können nicht alles sein. Ich traue Bogut zu, einer der besten clutch shooter der Liga zu werden, zumindest unter den big men. Ich traue Bogut bessere Übersicht und court-awareness zu, bis jetzt hat er immer noch Momente, in denen er seinen Schlafzimmerblick auflegt. Ich traue Bogut zu, von seiner ersten vollen Saison mit Charlie Villanueva vom Zusammenspiel mit genau diesem zu profitieren, die beiden könnten das beste große Duo in der Central Division bilden, einen Superlativ, den jahrelang die Detroit Pistons inne hatten. Bogut weiß seine Anhänger nicht nur in Milwaukee, sondern vor allem Dingen in Australien. Geboren in der australischen Hauptstadt, hat der 22jährige seine Wurzeln nie verleugnet, einen Amerikanisierungsprozeß (Bogut spricht gehobenes Englisch, verbringt seine Sommerferien mit der Nationalmannschaft Australiens, und spielt weder den Raudi noch den Braven) hatte er nicht nötig. Außer Frage dürfte stehen, dass er der beste NBA Aussie aller Zeiten ist. Der sympathische Luc Longley war sicher ein guter Aufwärmer, aber zum Kochen brachte die NBA in Australian erst Bogut. Eine Auflistung aller bisherigen Australier in der NBA gibt es hier. Mit Luke Schenscher, einem anderen NBA Aussi, verbindet ihn übrigens keine nennenswerte Freundschaft.
Was ist Bogut für ein Spieler? Jedenfalls ein Spieler, gut genug, um zum besten australischen Basketballspieler aller Zeiten zu werden. Er hat den Pass für den Mitspieler, er spielt den Assist zum Assist, der in keiner Statistik auftaucht. Wie in seinen Interviews, so tritt er auf dem Court, der die Welt bedeutet, auf: solide, cool, trocken. Das High Post beherrscht er ebenso wie das Inside Game. Er hat einen geschickten Shot, kann den aber noch nicht effizient einsetzen. Seine enorme Spannweite erleichtert ihm 1-1-Defense. Von seiner Spielübersicht, seinem Hang zum Passen profitieren die Kollegen am Three – bei Bogut verhungern keine Schützen. Was kein Boxscore weiß: Bogut hat enormen Ehrgeiz, er verwechselt seinen Kontostand nicht mit dem Stand seines Könnens (blöde Wortspielerei). Der Traum jeden Coaches, Bogut baut einfach keinen Mist. Auch wenn ich bei dem Vergleich anfangs heftig schlucken musste: Vlade Divac hatte viel von dem, was Bogut demnächst haben wird. Die Frage, inwieweit er sich von Luc Longley unterscheide, beantwortet Bogut selbst: "I'm not as slow as Luc Longley, I'm more athletic, I can shoot better, I'm more competitive. So I think it's not even fair to bring that name up."
Die letzte Saison konnte Bogut zu den nur 28 Siegen der Bucks durchschnittlich 12.3 Punkte und 8.8 Rebounds beisteuern. Die Playoffs wurden deutlich verpasst, in der Central Division wurden die Bucks Letzter. Sicher keine erfreuliche Entwicklung, hatte Bogut doch in seiner Rookiesaison die Playoffs erreicht, und ist dort gegen die Detroit Pistons sang- und klanglos untergegangen. Dieses Jahr wird Bogut sich nicht trösten können mit Erfolgen der australischen Nationalmannschaft, den „Boomers”, denn Bogut nimmt sich unter Berufung auf eine Fuß-Verletzung frei. Die Boomers, die demnächst gegen Neuseeland um die Qualifikation für die Olmypischen Spiele 2008 spielen, erreichten 2006 immerhin das Achtelfinale bei der FIBA Weltmeisterschaft in Japan, die USA waren dann aber eine Nummer zu groß, genau genommen 40 – Endstand 73-113. Einen Titel bei Weltmeisterschaften hat Bogut schon feiern dürfen, nämlich mit der U-19 Mannschaft der Boomers, 2003 gewann man die FIBA Juniorenweltmeisterschaft und MVP des Turniers wurde Andrew Bogut. Bei diesem Turnier waren die Australier auch den USA gewachsen, denn die schoss man im Viertelfinale ab. Auch olympische Luft hat Bogut schnuppern dürfen, 2004 in Athen. Bei diesen olympischen Spielen war Bogut eigentlich nur als Ersatz gedacht für Chris Anstey, seine Nachnominierung erwies sich dann aber als Coup – der schließlich nur 9. Platz für die Aussis bedeutet da wenig. Die NBA Scouts standen bei Spielen Boguts quasi Schlange. Und auch Ray Giacoletti, sein künftiger Coach beim College Team der Utah Utes, ließ sich da blicken. Giacoletti hatte den Weg von der Mormonen- zur Olympiastadt auf sich genommen, nur um den Freshman of the Year in der Mountain West Conference zu begutachten. Diese Geste hat Bogut ihm nie vergessen. 2005 führte Bogut – in seiner einzigen Collegesaison - die Utah Utes zur Sweet 16 und einer 29-6 Bilanz. Im gleichen wurde Bogut mit Ehrungen überschüttet: Oscar Robertson Trophy, deren aktueller Inhaber Kevin Durant ist, Wooden Award, der dieses Jahr zum 30. Mal vergeben wurde, Naismith Award, dessen erster Preisträger kein Geringerer als Kareem Abdul-Jabar war. Die vielleicht größte Auszeichnung bezieht Bogut Anfang 2006, indem am 18. Februar seine Nummer am Utaher College retired wird. Bogut wurde 2005 an Nr. 1 gedraftet, auch diese eine Auszeichnung. Bis heute hat er eigene Webseite bei den Utes, dort firmiert er unter Awesome Aussie.
Boguts persönlicher Hintergrund spannt sich über drei Kontinente: USA, und da insbesondere Utah und Milwaukee, Australien, denn da ist er geboren, und Kroatien, wo die Wurzeln seiner Eltern liegen. Wegen seiner gefühlten Nähe zu Kroatien hätte er gern Drazen Petrovic, den zu früh verstorbenen und ersten europäischen Star der NBA kennen gelernt. Toni Kukoc, ebenfalls kroatischer Herkunft, fungierte in Boguts Rookiesaison als dessen Mentor. Wegen seiner australischen Herkunft sind ihm die Spiele für seine Nationalmannschaft kein Muss, sondern ein Will. Und weil er sich auch in Milwaukee sehr wohl fühlt, hat er genau dort eine Foundation gegründet, die Kindern und Jugendlichen den Umgang mit dem orangenen Leder und sicher auch den Umgang miteinander beibringt. Das waren die lichten Seiten der Persönlichkeit Boguts. Es gibt andere Aspekte, mit denen er aneckt. In vielerlei Hinsicht gleicht Bogut einem Clown, einem der das Spiel NBA mit all den Pressekonferenzen, Gerüchten und Ungereimtheiten mitspielt, auf der anderen Seite spricht er ein auffallend gutes Englisch, als wäre er ein weltoffener Bücherwurm. Ein neues, glänzendes Beispiel der Unterhaltungskünste gibt ein frisch rasierter Bogutes auf Channel Nine. Passt zum schalkhaften Stil Boguts, dass er in genau diesem Gespräch seine Entertainmentgabe nicht ausspielt. Bogut nimmt selten ein Blatt vor den Mund, und das in gut artikulierter Form. Er lacht nicht einfach in die Kamera. Wenn Bogut lacht, gibt es was zu lachen. Ich wüsste nicht, dass Bogut tätowiert ist. Er hat ein Faible für Oldtimer. Zu ernst nimmt er sich nicht, er bleibt bescheiden, gibt sich locker, möchte Spiele gewinnen, und kleidet diesen Ehrgeiz in Sprachspielereien. Bis heute besteht er darauf, kein Lieblingsfranchise zu haben, auch nicht die Milwaukee Bucks. Er geniert sich nicht, Football, Cricket, Rugby, Golf und Motorsport als die führenden Sportarten in Australien zu nennen – Basketball käme erst an sechster Stelle.
Jüngst gab es eine mittelschwere Diskussion, von Bogut angestossen. Im Sydney Morning Herald hatte er gleich mehrere markante Aussagen hingelegt. Er bestätigte seine Vorliebe für Poker, "I like to go to casinos," he says in a deep but youthful voice. "We have a casino in Milwaukee with a poker room. You don't want to be playing too often, of course, but I probably play once a week." Zum Zeitpunkt des Interview war Bogut auf Haussuche, "I'm looking for a house in Milwaukee because I just got a dog, a husky, and I'm not allowed to keep it in my apartment. I always wanted a husky when I was growing up. It's a lot of work and they're hard to look after. But that's all part of it, I guess." Über sein Verhältnis zu Journalisten: "I don't mind talking to journalists if the questions are different. It's a chance to get your point across, which is a good thing. It gets a bit hard when you're answering the same questions over and over." Und dann schließlich der diskutierte Part: "The public's image of NBA players is true. A lot of them get caught up in the hype and do video clips with rappers and all that crap. They want bling bling all over themselves and drive fast cars. But that's just the way the culture is in America - if you've got it flaunt it and if you don't, you can't." Damit nicht genug, grenzt Bogut sich von dieser Sorte NBA-Spieler ab, "I'm not into jewellery. I've got some earrings but they're not too expensive. There are guys who drop a hundred grand for a chain. The public's got it right - a lot of NBA stars are arrogant and like to spend lots of money and have lots of girlfriends and all that.” Und auch damit nicht genug, Bogut verallgemeinert und zieht Bilanz über den kulturellen Zustand der USA, "But it's just the culture over there. I would never want my child to be brought up in an environment like that, where if you have money you're supposed to flaunt it and make everyone jealous. The American attitude is 'We're the best'. That's why the NBA guys who come from other countries, the Europeans, all sort of stick together away from the game." Ich wundere mich bis heute, dass diese Aussagen keinen größeren Widerhall gefunden haben, oder was haltet Ihr von Etan Thomas Artikel in der SLAM Online? Aber dieses Interview war nicht nur für kritische Töne gut, sondern auch für die Frage, wie Bogut in der Öffentlichkeit gerne gesehen werden möchte, "I'd like people to think of me as someone who works very hard, who has gone through a lot of crossroads along the way. I clashed with a lot of coaches and people along the way, I've worked a lot and I'm proud of who I am and where I've got to. I don't want to be seen as arrogant but I know that sometimes that's how it will come across. I have a lot of respect for the game and I hope it respects me back. There are people who can't accept it when you say that you've given up a lot to get where you are. They only see that you're getting paid millions of dollars to play basketball. But as a 15-year-old it's very different. You can't go out, you have to give up friends, you lose childhood friendships because you don't have any time and suddenly you're left with one or two friends. As a young guy, that's pretty hard to get your head around. I always wanted to make it in basketball. But then I missed out on the state team and it was turning into a nightmare. I wondered whether it was all worth it and when I was about 16 I wanted to quit. Before that point my dad had said I could stop if I wanted to. But by that time he'd realised my potential and wouldn't let me give up. It all went from there." Ich entschuldige das lange Zitat, aber was sollte man da nicht erwähnen?
Und um jetzt den Bogen zu spannen zum ersten Absatz, abschließend ein aktuelles Zitat aus dem Bucks-Forum von RealGM:
When talking about our chances at making the playoffs this season, a lot of that hinges on how good of a year Bogut has and how much progression he's made since last season. It's my projection that Bogut is a top 4 center in the east. If he can hold up near there (at least top 5) I I think it's quite realistic that we will be able to make the playoffs this year. The main factors I think going into this offseason are ranked as: 1. Bogut's first offseason of complete rest. No national team expectations or games to play him give him a full offseason to rest and train. This is huge IMO. 2. Bogut's 3rd year in the league and the taste of losing fresh in his mouth. No Magloire in his way, no Stotts to butt heads with, no excuses. 3. Bogut will have the offense run thru him moreso than under Stotts. He will have offensive sets run for him and he will get more touches in the post. These are my projected rankings of centers in the east and where Bogut fits in. 1. MIA - Shaq - when healthy, he is still the most dominant center in the game, granted he's lost a few steps. But him losing a fews steps is still better than most guys ever were. 2. CHI - Ben Wallace - Still a dominant defensive presence. The ultimate shotblocker and rebounder. 3. ORL - Dwight Howard - He's got a good shot to lead the league in rebounding this year. His offensive game still needs work, but he's a space eater who will be an all-star for years. 4. MIL - Andrew Bogut - I know this may be high, but I'm putting him here, because I think he will have an extremely productive and most importantly efficient year. Realistically he can average 15 pts, 10 rebs, and 4 asts on 55% shooting.