Die Situation ist folgende: Andrej Kirilenko hat in für NBA-Verhältnisse ungewohnt deutlichen Statements ("acting like a robot") klar gemacht, dass für ihn ein weiteres Engagement, ja ein weiteres Jahr bei den letzte Saison so erfolgreichen Utah Jazz (Western Conference Finals) nicht mehr in Frage kommt. Kirilenko konnte im Rahmen der EuroBasket 2007, bei welcher er zum wertvollsten Spieler gekürt wurde, wohl etwas Abstand gewinnen zu den 63 Millionen $, die ihm sein Vertrag garantiert, Abstand zu Jerry Sloan, der für einen der versatilsten Spieler der Liga in seinen Playbooks keinen Platz mehr hat (Kiri bekommt zu wenig touches, erhält zu wenig Räume, und wird zu selten im Post in Szene gesetzt), vielleicht auch etwas Abstand zu den Konventionen bezüglich öffentlicher Kommunikation im NBA-Business - die Rückkehr in heimische Sprachgefilde (Kirilenko verbrachte mehrere Wochen mit seinen russischen Teamkollegen) soll unter Umständen kleine Wunder bewirken. Im Fall Kirilenkos jedenfalls einen Gesinnungswechsel. Kirilenko ist bewusst, dass nicht er, sondern Jerry Sloan den Status einer Ikone bei den Jazz inne hat. Nicht AK47 sitzt fest im Sattel, sondern der auf technichal Fouls versessene 65-jährige. Und so hat Kirilenko nun begonnen, am eigenen Sattel zu rütteln - erklärtes Ziel: runterfallen. Mir ist das ganz lieb, denn ich sah bei dieser Basketball-EM einen Kirilenko, der nicht nur Spiele, sondern auch Meisterschaften gewinnen kann. Diese Rolle ist ihm bei den Jazz verwehrt, hier heißen die Protagonisten Carlos Boozer, Deron Williams und Jerry Sloan.
Warum nun nicht einfach ein Trade? Glaubt man den Spekulationen, stehen die Spitzenteams Schlange. So werden z. B. die Dallas Mavericks, Los Angeles Lakers und Chicago Bulls genannt. Im Fall Kirilenkos kommt eigentlich nur ein Team in die Eastern Conference in Frage, womit sich der Kreis der Kandidaten auf die New York Knicks und die Chicago Bulls und nun ganz neu die New Jersey Nets verengt. Bei den Bulls hätte er mit Scott Skiles einen Head Coach, der als Talentefanatiker bezeichnet werden könnte, einer, der Talent erkennt, fördert und einsetzt. Kirilenko hätte mit Viktor Khryapa einen Spieler, mit dem er vor einer Woche Europameister wurde. Kiri hätte in Chicago eine tief verwurzelte russische Community. Und nicht zuletzt gäbe es für die Jazz mit Andres Nocioni und Chris Duhon ein ideales Gegenpaket. Nur leider kann der Argentinier wegen eines frisch unterschriebenen Vertrags bis zum 15. Dezember 2007 nicht getradet werden. Die Annahme, Kirilenko könne ja drei Monate aussetzen und dann zu den Bulls wechseln, ist unrealistisch. Und damit kommen für den Mann, der letzte Saison mit 8.3 ppg einen statistischen Tiefpunkt erreicht, nur die New York Knicks in Frage. Die Knicks könnten mit Quentin Richardson und Fred Jones ein ansprechendes Paket schnüren. Mit diesen beiden Spielern hätte Knicks-GM auch die 13.700.000 $, die AK47 nächste Saison verdienen wird, aufgefangen. An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass ich kein Fantasy-Manager bin. Falls also einige nun den Kopf schütteln und nachrechnen, aufgrund welcher speziellen Vertragsmechanismen dieser Trade wenig Sinn macht - sorry! Ein neues Tradeszenario, das sicher Chancen hat, hat die Salt Lake Tribune ins Spiel gebracht: Richard Jefferson (New Jersey Nets) <-> Kirilenko. Jefferson wäre wegen seiner hoch professionellen Einstellung, seines gefährlichen Threes und seiner Defense auf dem Perimeter sicher ein Wunschspieler Jerry Sloans.
Es wird für Kirilenko keine schnelle Lösung geben obwohl er den Status eines "public trade demand" erreicht hat (übrigens das erste Mal, dass ein Spieler einen Tradewunsch in einem ausländischen Sportblog erstveröffentlicht...). Wahrscheinlich wird er zu Beginn des Trainingcamps der Jazz am 2. Oktober 2007 nicht zur Verfügung stehen. Möglicherweise wird er den Start der Saison aussetzen. Vielleicht sehen wir ihn die nächsten Jahre nicht in der NBA, denn er liebäugelt mit einem Wechsel zu ZSKA Moskau. "The main thing is to play with spark" - diesen Funken würde Kiri in Europa wiederfinden. Das eigentlich Überraschende liegt für mich aber an den Leichen, die jetzt aus dem Keller gekramt werden: nicht nur gab es die letzten Tage haufenweise Artikel, die sich mit der mangelnden Arbeitseinstellung Kirilenkos befassten, sondern die Kritik an Kiri kommt sogar aus den eigenen Reihen, von einem der Protagonisten: Deron Williams hat die Frage, ob Kiris "work ethic" ein Problem darstelle, bejaht. Damit hat Kiri nun zwei der drei Protagonisten der Jazz gegen sich. Und dem dritten, Carlos Boozer, läuft er auf dem Court öfter mal über die Füße. Kirilenko in Utah? Das war einmal. Hoffen wir für den 26-jährigen, dass er zum Start der neuen Saison bei einem neuen Verein unterkommt, allein schon wegen eines Matchups, auf das ich brennend warte: AK47 - Yi Jianlian.
Für weitere Informationen kommt man um American Arena mal wieder nicht herum. Ebenso lesenswert: Jeff Clark, 1,578,590,950 Rubles Say He's Staying.
EDIT Es darf schon mal geträumt werden, Kelly Dwyer und Henry Abbott haben folgende Tradeszenarien formuliert, wobei ich den Trade zu den Wizards am ehesten begrüßen würde:
- AK to Golden State, for Al Harrington and Sarunas Jasikevicius
- AK to the Los Angeles Lakers, for Lamar Odom
- AK and Jarron Collins to Phoenix, for Shawn Marion
- AK to Sacramento, Mike Bibby and Francisco Garcia to the Los Angeles Clippers, Corey Maggette and Tim Thomas to Utah
- AK and Paul Millsap to Chicago for Ben Wallace
- AK and Jarron Collins to Washington for Antawn Jamison