Sonntag, 2. November 2008

Hip und falsch: Oden-Bashing

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Wenn man Greg Oden vor dem Draft 2007 gefragt hätte, was er und Sam Bowie gemeinsam haben, dann hätte Oden sinngemäß antworten können: Ich hoffe nichts. Und schaut man genauer man, hätte Oden damit Recht behalten: zwar wurden beide von den Trailblazers gedraftet und wurden beide im ersten Jahr ihrer NBA-Zugehörigkeit nicht ROY sondern vielmehr vor dem ROY (Michael Jordan bzw. Kevin Durant) gezogen, aber ansonsten? Oden hat noch lange nicht bewiesen, dass er ein Flop ist, eine Fehlgriff, den nun viele in ihm sehen. Es besteht eine nur geringe Chance, dass Odens Physis keine NBA-Reife besitzt: die Knieoperation, der er sich im September 2007 unterziehen hat müssen, hätte jedem anderen auch ereilen können, wobei aber der Regenerationsprozess der big men (Oden misst 2.13 m) länger dauert als bei z.B. Point Guards. Oden hat kein kaputtes rechtes Knie, nein, damals kam ein Bereich von der Größe einer Fingerspitze unter's Messer. Was das Portlander Management damals ankündigte, nämlich dass dies aller Voraussicht nach einen einmaligen und vor allem vorsorglichen Eingriff darstellt, hat sich bestätigt - Oden hätte damals spielen können, auch in der Regular Season. Dass er nun erneut ausfällt - Grund ist eine Fußverletzung, genau eine mid-foot avulsion fracture - ist wiederum Pech. Ernster müsste man die Lage sehen, wenn Odens Knie der Belastung nicht standgehalten hätten. Aber wie sagte Oden selbst vor knapp zwei Wochen:

My knee is good. I have no problems with it. My body feels great. I’m having no problems at all.

Nun haben sich prominente Journalisten zur Verletzung Odens geäußert - fast durchweg negativ, stellvertretend sei hier Johnny Ludden zitiert:

Here’s what the Blazers do know: They can’t depend on their young center. Not yet, at least. Maybe not ever. He’s 20 years old, and his injury history is beginning to read like that of a 12-year veteran. He missed the start of his one season at Ohio State after having surgery on his right wrist. He missed all of his first season in Portland after having microfracture surgery on his right knee. He suffered a mild right ankle sprain last month at the start of training camp. [...] He had waited nearly a year and a half to make his NBA debut, and for what? Three plays?

Mich ärgern diese Beiträge. Und ich halte auch wenig von den Leuten, die nun wieder folgende Argumente ins Feld werfen:

- Oden sei sicher ein herrausragender College-Spieler gewesen, aber niemand, dem man alle zwei Tage ein 2 bis 3 Stunden dauerndes Profispiel zumuten könne. Die frühen Ausfälle seien sicheres Indiz für eine unzureichende Physis.

- Executives, die nun wieder befragt wurden, warum sie Oden damals nicht hätten draften wollen, verweisen auf den medizinischen Check, dem sich Oden vor dem Draft unterziehen musste und der fiel für Oden nicht sehr schmeichelhaft aus, unter anderem ist sein rechtes Bein etwas länger als sein linkes Bein, was lang- und auch mittelfristig zu Rücken- und Hüftbeschwerden führen kann.

- Oden wiegt zu viel und belastet damit seine Physis. Gleichzeitig kann Oden ohne seine vielen Muskeln nicht der Spieler werden, zu dem er veranlagt ist.

Vergessen wir nicht: Oden hatte gegen die Lakers sein erstes NBA-Spiel, d.h. viel Adrenalin, eine wegen der Aufregung vielleicht mangelhafte Vorbereitung direkt vor Spielbeginn, er hatte mit Bynum und Gasol Gegenspieler, gegen die man schlecht aussehen darf. Vergessen wir auch nicht Amare Stoudemires Geschichte. Oder die von Zydrunas Ilgauskas. Oder auch Andrew Bynum. Yao Ming - mit Abzügen. Übersehen wir nicht die großartige Arbeitsethik Odens. Und welche Verletzung hatte Oden 2x oder öfter? Keine. Durchschnittlich 13 Punkte und 10 Rebounds prognostiziert Blazersedge Oden in seiner Rookie-Saison - vielleicht schafft er's in 70 Spielen und mehr, denn an diesem Wert wird er sich messen lassen müssen.