Der Deal sieht so aus:
Jason Kidd, Antoine Wright und Malik Allen (New Jersey Nets)
- Keith van Horn, Trenton Hassell, Devin Harris, DeSagana Diop, Maurice Ager (alle Dallas Mavericks), zwei first-round-picks und Bares.
Die beiden wertvollsten Spieler des Trades sind Harris und Kidd. Konzentriert man sich also auf die qualitativen Spitzen des Geschäfts, haben wir hier einen Tausch Point Guard - Point Guard. Und doch viel mehr als das. Wir haben einen Sieben-Spieler-Trade. Einen Trade, der die Nets in den Rebuild schickt und Vince Carter ins Niemandsland. Einen Trade, über den wir uns die nächsten Tage die Mäuler zerreißen werden - Dirk Nowitzki und Jason Kidd, oh wie wird das schön. Fragt sich nur wie lange? Kidd wird in einem Monat 35, er hat diese Saison seinen Shot verloren. Sicher, das Energielevel früherer Tage hat er gehalten. Und auch bezüglich Erfahrung hat er nicht ver- sondern dazugelernt. Dirk ist 29, er hat acht seiner letzten zehn Playoffspiele verloren. Er hat, meine ich, dieses Jahr etwas an Fokus verloren. Im System Avery Johnsons hat er nicht mehr die Freiheiten früherer Tage. Sein Wurf sieht schwerer aus, die Beine etwas langsamer. Vom vocal leader Nowitzki habe ich die letzten Monate wenig gesehen. Hinzu kommen zur nicht ganz so triumphalen Starting 5 der Cuban Mavericks Josh Howard, Jason Terry, Erick Dampier. Von der Bank greifen nun Spieler ein, die abgegeben werden sollten - Stackhouse, George - oder neu im Team sind - Malik Allen, Antoine Wright. Klar, Stackhouse sollte nicht wirklich gehen, aber im Zweifel geht der Erfolg der Mannschaft dem Einzelschicksal eines verdienten Spielers vor. Mit einer Erika in der Mitte, einem zaudernden Blondschopf auf der 4, einem ruhigen Josh Howard im Hintergrund sowie zwei launischen Werfern auf der 1 und 2 wollen die Texaner die Championship gewinnen. Ja, sie sind in dieser Formation gefährlich. Aber sind sie es auch als Team? Oder wo hatten die Warriors letztes Jahr ihren Elan hergenommen? Weil es in ihrem Spiel keinen Bruch gab, wenn Baron Davis mal auf der Bank saß. Wer kommt denn in Dallas von der Bank für J-Kidd? Nur Jose Barea. Und weshalb brechen die Suns Jahr für Jahr in die Playoffs ein? Weil sich da ihre kleine Rotation rächt und ein Mann Rätsel wie kein zweiter aufgibt: Tim Duncan, the big obstacle. Die Rotation der Mavs hat sich nun verdünnt, Avery Johnson kann zwar noch immer aus 14, 15 Spielern wählen, aber eben nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Und wäre da nicht noch das böse D-Wort. Defense. Mit dem Abgang von Hassell und Harris verlieren die Mavs zwei überdurchschnittlich begabte Verteidiger. Wo nun die Versatilität in der Verteidigung herkommen soll, ich weiß es nicht. Aber Versatilität zählt eh nur in der Offense, oder? Von wegen. Wenn ich sehe, was Detroit für eine abwechslungsreiche Defense spielt und wie erfolgreich die Jünger von Dumars und Thomas damit sind. Gegen die neu sortierten Frontcourts der WC werden die Mavs keinen Stich sehen. Und dann gibt es da noch eine neue Generation von Point Guards, angeführt von Chris Paul und Deron Williams. Die Mavs ordnen sich hier qualitativ ein, aber sie überragen nicht - und genau das sollte man als Champion.
Ich mag diesen Trade nicht. Mark Cuban hätte Geduld beweisen müssen. Die Spitzenteams der WC sind älter geworden: die Lakers mit Gasol, die Suns mit Shaq, die Spurs insgesamt. Hier hätte ich eine Chance für die Mavs gesehen: Western Conference Finals 2009, Lakers - Mavs. Wenn nicht dieses, so doch nächstes Jahr. Ob man das dann so kommuniziert, ist eine andere Frage. Und ob sich Avery Johnson und vielleicht sogar Nowitzki hätten halten können bei einem erneuten Erstrundenaus 2008, wer weiß. Statt Versprechen in Richtung Zukunft haben wir nun eine win-now-Situation. Aber erinnern wir uns, wann hat das zum letzten Mal geklappt: Team holt alternden Star und zur Mitte der Saison und gewinnt so/deshalb die Championship. Mir fallen da nur die Detroit Pistons von 2004 ein. Aber Rasheed Wallace war damals nicht wirklich ein Star, eher eine Diva, skandalumwittert, die sich dann zum Schlüsselspieler und schließlich Publikumsliebling aufraffte. Die Mavs haben sich hier einen 40 Millionen teuren Mann geholt, der die Championship gewinnen will und im Fall der Fälle spätestens Ende Juli auf einer Vertragsverlängerung bestehen wird. Ja, Kidd hat eine Mission im Gepäck. Lasst uns den Titel gewinnen. Wir sind gut, talentiert und tief besetzt. Tief? Welche Bank eigentlich? Übrig bleiben nach dem noch offiziell zu bestätigenden Trade Malik Allen, Jose Barea, Brandon Bass, Nick Fazekas, Juwan Howard, Eddie Jones sowie die beiden Fast-Nets Stack & George. Das sind klangvolle Namen, ja, aber das sind auch ein Rookie sowie ein Sophomore, mehrere Mittdreißiger und keine Antwort auf Tim Duncan. Die Mavs haben sich hier ordentlich verzockt. Und ob man wirklich noch einen All-Star im Aufbau braucht, um Champion zu werden - wer hat das eigentlich behauptet? Innerhalb der letzten 17 Jahren gab es nur drei Finals-MVPs auf der 1: Tony Parker (2007), C. Billups (2004) und Isiah Thomas (1990). Und eigentlicher Gewinner des Trades ist keiner der Protagonisten, sondern voraussichtlich Keith van Horn, denn dem werden in seinem Vorruhestand zarte 4 Millionen $ geschenkt, ohne dass der auch nur eine Minute Basketball spielen wird müssen.
EDIT Natürlich erkenne ich an, dass sich bei den Mavs etwas tun musste. Nur scheint dieser Trade dem Prinzip we wanna get the best available Superstar geschuldet. Und einen impact hätte ich Kidd viel eher bei den Cavaliers zugetraut, LeBron James aber hat umsonst geworben.