Jedes Jahr, wenn die All-NBA Teams verkündet werden, frage ich mich, ob das nun wirklich eine Neuigkeit ist, wenn ein Tim Duncan vom 1st All-NBA Team ins zweite rutscht und ein Manu Ginobili vom dritten ins zweite. Dieses Jahr gab's nur ein interessantes Detail an der Zusammenstellung: Kobe Bryant wurde als einziger Spieler einstimmig gewählt. Nun ja, mehr Spannung bietet da doch eine Fave Five der Spieler mit dem gewissen Etwas, die heimlichen Stars, die irgendwo zwischen MIP und wichtigstem Rollenspieler ihres Teams pendeln, als da wären
PG: Rajon Rondo. Es soll ein paar Leute gegeben haben, die der unmittelbaren Zukunft Rajon Rondos nach dem Wechsel Sam Cassells zu den Cetlics stirnrunzelnd entgegensahen: die dominierende Frage war, ob Cassell nicht spätestens in den Playoffs die sicherere Option auf der 1 wäre? Doc Rivers jedenfalls ließ sich nicht beirren und ließ den Celtics-MIP munter weiterstarten ohne damit Sam-i-am zu vernachlässigen, der genügend Spielzeit bekam, um in einer Offensive Praxis zu sammeln, bei der er unter Umständen nur vierte Option ist - ein Novum in E. T.s Karriere. Rondo also rockig, Rondo selbstsicher, Rondo nicht der Mann, der sich den Spekulationen um seine eigene Absetzung anschließt, bester Spielmacher der Celtics und insgeheim Bestandteil der noch geheimeren Boston Four Party. Ob er ein aggressiverer Verteidiger oder Angreifer ist, entscheidet sich von Spiel zu Spiel neu. In Runde 1 gegen die Hawks sicher, konstant, ruhiger als erwartet, sehr kontrolliert - Spiel 7, in dem sich Marvin Williams ein flagrant foul 2 gegen ihn gestattete, sei ihm verziehen. Einfach ein ernstzunehmender Basketballer in einem exzellentem Team und zwar weniger emotional, aber ähnlich professionell wie ein Kevin Garnett.
SG: Bonzi Wells. Klar, er ist nicht mehr der Bonzi Wells, der damals einen fast 40 Millionen $ schweren Vertrag bei den Kings hätte unterschreiben können aber Präsenz hat das kleine Dickerchen allemal. Als er das letzte Mal in den Playoffs gegen die Spurs ran musste, war er noch Teamkollege von Ron Artest und Kevin Martin - April 2006 hatten wir da, die Kings wurden vom texanischen Dreigestirn Parker-Duncan-Ginobili versenkt und Wells mit seinen höchst ansprechenden Leistungen (durchschnittlich 23/12) und dank eines hervorragenden Post Games gegen kleinere Guards für gefühlte zwei Wochen zum Star. Heute hat Wells selbst All-Stars in seinen Reihen, die sich mit denen des Vierfachchamps messen können: Chris Paul, David West, Tyson Chandler (...noch nie All-Star), Peja Stojakovic. Wells ist für die Playoffs geboren, er ist keiner für's Training Camp, keiner für lange road trips, keiner für 82 Spiele. Dass er von allen Hornets die zweitmeiste Playofferfahrung vorweisen kann, versüßt das Ganze und lässt wie ein Mythos erscheinen, dass Wells mal zu den bad boys der Liga zählte.
SF: Luke Walton. Der sunny boy im Showtime-Express. Von den vielseitigsten Spielern der NBA womöglich der unbekannteste. Der Herr der kleinen Dinge: Walton kann schießen, passen, blocken, auf bis zu drei Positionen spielen, jedes Tempo mitgehen und stolpert auch bei den verwinkelsten Angriffen der Lakers nicht. Er ist die Urquelle allen Teamspiels. Hervorragende erste Runde: zum Sweep gegen die Nuggets steuerte er 14.0 ppg, 3.8 spg und 5.0 rpg bei. Dort sah man ihn häufiger im mismatch gegen Allen Iverson und Anthony Carter. Derzeit mit ein paar gesundheitlichen Problemchen.
PF: James Posey. Was haben sich die Miami Heat nur dabei gedacht, als sie James Posey haben ziehen lassen? Der 31-jährige hat sich zur wichtigsten Einwechseloption des künftigen EC-Champs entwickelt und könnte innerhalb von zwei Jahren zum zweiten Mal die Finals erreichen. In vielerlei Hinsicht erinnert mich Posey immer mehr an Stephen Jackson, wegen der Defense, dem Hustle, dem Shot, der Energie, dem Crunch. Posey spielt derzeit die vielleicht beste Defense seines Lebens, in der Serie gegen Cleveland könnte er zum X-Faktor werden - zu Lasten LeBron James'.
C: Mehmet Okur. Je oller desto toller. Nachdem der gebürtige Türke in Runde 1 D-How-like stats auflegte, sehen einige in Runde 2 im europäischen Centerduell (Pau Gasol) bereits ein mismatch auf der 5 zugunsten der Jazz. Sicher ist, dass Okur nur schwer zu verteidigen ist, sein relativ schneller shot release sitzt aus eigentlich jeder Position. Auch seine Defense hat nicht mehr die Schlampigkeit früherer Tage. Mittelfristig könnte er sich zum besten Passer unter den Centern entwickeln, der gefährlichste Dreierschütze ist er wahrscheinlich schon. Mag sein, dass er 2.11m groß ist, aber Okur sieht doch immer +10cm größer aus als sein Gegenspieler. Fehlt eigentlich nur noch mehr Toughness, größere Aktivität auch ohne Ball, Schlafzimmerblick abschalten und fertig ist der All-Star 2009 - wenn er in der EC spielen würde...
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