Ja.
Am 2. Juni 2007 wurde aus dem Journalisten Steve Kerr der GM der Phoenix Suns. Steve Nash & Co. wurden zwei Wochen vorher in einer denkwürdigen Serie von den Spurs aus den Playoffs gekickt. Das Team hatte zu diesem Zeitpunkt den amtierenden MVP in seinen Reihen. Zudem mit Leandro Barbosa den Sixth Man of the Year. Stoudemire erzielte in der Post-Season durchschnittlich 25 ppg und schien die ihn gesetzten Hoffnungen endlich einzulösen. Mit einem Durchschnittsalter von gut 27 Jahren befand sich die damalige S5 kurz vor Beginn der besten Jahre eines Basketballers. Die Suns waren eine 12-Mann-Party, der fleischgewordene Beweis, dass Offensive um Championships mitspielen kann. Nachdem er verantwortlich zeichnete für die Verpflichtung Grant Hills (Einjahresvertrag mit Option, $ 1.8 Mil Salär), hatte Kerr drei Wochen nach Amtsantritt die erste große Aufgabe zu bewältigen: in New York wurde zum Draft gebeten. Steve Kerr entschied sich für Alando Tucker und D.J. Strawberry. Tucker (#29) wurde inzwischen 4x in die D-League delegiert, während sich Strawberry (#59) inzwischen in der italienischen Serie A verdingt. Was ist von einem 59er Pick anderes zu erwarten, kann man da fragen? Keine Ahnung. Jedenfalls hätte Kerr statt Tucker Carl Landry, Glen Davis, Marc Gasol oder auch Aaron Gray haben können. Und da gab noch eine Entscheidung: ursprünglich drafteten die Suns Rudy Fernández, den einige hartgesottene Fans der Trail Blazers schon zum ROY 2009 kürten, schickten ihn dann aber nach Portland für Cash. Geld spielte ebenfalls eine große Rolle in einem der merkwürdigsten Trades der vergangenen Jahre: am 20. Juli wurden Kurt Thomas und zwei First-Round Draft Choices (2008, 2010) für einen Zweitrundenpick und eine sogenannte Trade Exception in Höhe von $ 8 Millionen getradet. Diese Transaktion sorgte für Spekulationen, welchen Coup die Suns als nächstes landen - und da die neue Saison nicht besonders gut lief, vollführte Kerr einen Paukenschlag: kurz vor dem ASW 2008, am 6. Februar 2008 musste Shawn Marion seinen Platz räumen für den Diesel-Buddha: Shaq. Da waren wir uns alle einig: die Suns befinden sich in einem Win-Now-Modus. Steve Kerr würde sich messen lassen müssen am Ausgang der Playoffs 2008. Dort schieden sie in der ersten Runde gegen einen enorm spielfreudig aufgelegten Tony Parker aus. Steve Kerr bekannte sich zu HC Mike D'Antoni, dieser jedoch erbat sich Gesprächsfreiheit für Vertragsverhandlungen mit anderen Teams. Zwar residierte damals in New York nicht mehr der berserkergleich mit Dollars um sich kloppende Isiah Thomas, sondern Donnie Walsh, trotzdem ließ der geschmeidige Italiener sich weichprügeln von den knapp $ 25 Millionen für 4 Jahre. Die Suns standen nun ohne HC da und Kerr besetzte diesen Posten mit einer Verlegenheitslösung - Terry Porter. Der erwartete von den Suns harte Defense-Arbeit, konstante Leistungen im Rebounding, Produktivität auf beiden Seiten des Courts; mit dieser Umstellung waren einige nicht einverstanden (Nash), andere nicht in der Lage (Stoudemire usw.). Dass Kerr Anfang Dezember ausgerechnet Offensivbulldogge Jason Richardson nach Phoenix lotste, spricht Bände darüber, dass Porter im Management-Büro der Suns keine Fingerabdrücke hinterlassen hat. Porter, der am ASW gechasst wurde, hat seine Spieler nie erreicht, und die waren wiederum nicht bereit, ihr Game seinen Vorstellungen anzupassen. Statt eines Trades von Shaq oder Amare nun also ein neuer HC, der in seiner bisherigen Laufbahn als Seitenliniendompteur die Playoffs nur 1x von innen gesehen hat: 1999 als Assistant in Detroit; für die Pistons setzte es damals ein Erstrundenaus. Fazit: Porter eine Verlegenheits-, Gentry eine Gelegenheitslösung. Und da die Suns mit Gentry die Playoffs verpassen dürften, wird spätestens zum 1. August 2009 ein Krawattenträger durch einen anderen ersetzt - Lenny Wilkens ;-) ist des Golfens sicher über. Oder womöglich hat Kerr demnächst, wenn ihm Suns-Besitzer Robert Sarver weiterhin in die Parade fährt, das Management über und wechselt auf die Trainerbank. Kerr, immerhin fünffacher NBA-Champion, wird sich durchwursteln, in welcher Position auch immer. Trotzdem hat er, bis vor einem Jahr noch einer meiner heimlichen NBA-Helden, an Glaubwürdigkeit und Strahlkraft verloren. Ich kann keine Nachricht der Suns mehr lesen, ohne mir dabei den von sich ablenkenden Steve Kerr vorzustellen - aktuell: Amare Stoudemire fällt, nachdem das Suns-Management entschieden hat, dass eine OP unumgänglich ist, für den Rest der Saison aus. Der Grund dafür, dass die Suns die Playoffs verpassen, sind also Porters fehlerhafte Strategie und Amares Ausfall. Wer's glaubt, wird kerr-ig.